Werbt authentisch!

Eine professionelle Unternehmenskommunikation ist unter anderem durch Authentizität gekennzeichnet. Wer als Einzelunternehmer oder kleiner mittelständischer Betrieb die Kunden überzeugen will, muss als authentisch wahrgenommen werden.

Das gibt letztlich den Ausschlag für einen Auftrag oder eine länger andauernde Kundenbeziehung.

Was macht nun diese „Authentizität“ aus?

Es ist ein Mix aus professioneller Darstellung und Einbringung einer persönlichen Note. Selbstverständlich muss man die Leistungen sowie die Professionalität und Qualität seiner Arbeit in den Vordergrund stellen. Das ist letztendlich das, was die Kunden interessiert. Aber zu nüchtern und rational darf es auch nicht sein, sonst ist man nur ein Anbieter unter vielen. Es zeigt sich, dass bei aller Digitalisierung und neuen Arten des Wirtschaftens für viele Akteure immer noch das „Menschliche“ zählt. Nur ein Beispiel: Ich brauche in der Kommunikation mit meiner Versicherung immer einen festen Ansprechpartner, den ich unter einer bestimmten Telefonnummer erreiche und der im besten Falle sagt: ach, der Herr Mielke … Auch in der Welt der Lieferandos und Amazon gibt es Geschäftsbereiche, wo wir es eine Spur persönlich haben wollen. Und deshalb stellen sich auch andere Leute die Frage: Mit wem hat man es denn als Gegenüber zu tun? Sind das noch Menschen am anderen Ende der Bestellkette – oder nur noch Chatbots bzw. schon künstliche Intelligenzen? Was sind das für Individuen, mit denen man plant Geschäfte zu machen? Was erzählen sie über sich und ihre Arbeit? Referenzen? Reputation? Gibt es Anhaltspunkte aus ihrer Biographie über ihre Befähigung oder sogar Berufung, diese oder jene Dienstleistung anzubieten? Es muss kein Automatismus sein, aber einer Bäckerei vertraue ich mehr, wenn ich über die Webseite erfahre, dass die bereits in 4. Generation geführt wird.
Ich möchte allerdings nicht wirklich „alles“ von und über euch wissen. Einige Unternehmer mögen es, sehr viel von sich preiszugeben. Da erfährt man zwar Vieles über ihren Lebensweg, aber es trägt nur wenig bis gar nichts zum Aufbau eines Vertrauensverhältnisses bei. Oft wirkt es einfach geschwätzig, zu intim und kumpelhaft. Wenn ihr es nicht mögt, über euch zu sprechen oder es euch schwer fällt (ich bin beispielsweise so ein Fall) – belasst es einfach bei einer Telefonnummer oder Email-Adresse. Ein stichpunktartiges „evangelisch, verheiratet und zwei Kinder“ nur damit im CV überhaupt etwas steht?

Diese Mischung richtig austarieren ist der schwierigste Teil in diesem Prozess.

Authentisch rüberkommen ist auch eine Frage des Tons.
Ich sehe mir einen Webauftritt einer, sagen wir, Agentur an und kann meistens nach kurzer Zeit sagen, ob das eine Ein-Mann-Bude ist oder ob da ein Team mit mehreren Leuten arbeitet. Ja ich weiß, viele sprechen schnell mal von einer Agentur und erwecken den Eindruck eines Unternehmens mit geschätzt 20 Angestellten, weil sie Angst haben, als zu klein zu gelten und dadurch potentielle Kunden abzuschrecken. Mich als Auftraggeber würde aber eher diese Mimikry abschrecken, weil sie alles andere als authentisch ist und ich mich irgendwie getäuscht fühle.
Das betrifft auch Einzelpersonen, die von sich in der dritten Person sprechen. Besonders, wenn es um ihre Talente geht (Hein Blöd verfügt über herausragende analytische Fähigkeiten – Hein Blöd über Hein Blöd). Das wirkt nicht selten abgehoben, distanziert oder im schlimmsten Fall unglabwürdig. In extern erstellten Vorstellungen oder in Biographien ist das natürlich etwas anderes, aber wenn ich über mich spreche, mich vorstelle und bewerbe (und das tue ich auf meiner Webseite nun mal) verbietet sich eigentlich so ein PR-Bullshit.
Ist denn Muhammad Ali in den Boxring gestiegen und hat über sich gesagt „He is the Greatest“?
Wie komisch hätte das geklungen. Nein, wie wir wissen, muss es „I am the Greatest“ lauten. Und falls ihr euch an diesem „greatest“ stört – er durfte das sagen, denn es war so! Hugh!

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