BILD sperrt Browser mit Ad Blocker aus

BILD macht ernst. „Nieder mit der Kostenlos-Mentalität“ war offensichtlich die Losung, mit der in der Führungsetage beschlossen wurde, das Onlineangebot von Deutschlands erfogreichstem Boulevardblatt vor Schmarotzern zu sichern 🙂

Wer jetzt mit einem Browser mit aktiviertem AdBlocker auf die Seiten von bild.de surft, erhält statt der erwarteten journalistischen Inhalte (*hüstel*) nur eine Hinweisseite, dass man bei Springer dieses Journalismus-schädigende Verhalten nicht mehr toleriere.

BILD Online reagiert auf Browser mit Ad Blockern

BILD Online reagiert auf Browser mit Ad Blockern

Bevor ich etwas zum Sachverhalt an sich schreibe: Dieses Blocken von Ad Blockern ist bei bild.de mit JavaScript realisiert worden. Installiert ihr euch bspw. ein Firefox Add-on wie NoScript, könnt ihr auch wieder die Inhalte auf Bild Online erreichen, ohne den Ad Blocker deaktivieren zu müssen.

Mir ist es aus verschiedenen Gründen nicht ganz klar, was BILD damit zu bezwecken versucht. Eine Paywall für Premiumartikel unter BildPlus (*nochmalhust*) haben sie bereits am Laufen, die Vermischung von journalistischem Inhalt und Produktunterstützung schreitet erfolgreich voran und bei den vielen Beteiligungen und Besitzungen des Springer Konzerns mag ich nicht mehr glauben, dass der Gewinn durch die BILD-Zeitung einen unverzichtbaren Posten in der Gesamtbilanz darstellt. Das ist doch nur noch eine Kampagnenplattform, bei der es doch egal ist, ob einige Leute mit aktiviertem Adblocker unterwegs sind oder nicht.

In dem Prozess vor dem Kölner Landgericht hatten die Anwälte des Verlags noch geschrieben: „Das Kern’geschäft‘ der Klägerin ist die Vermarktung von Werbung. Journalistische Inhalte sind das Vehikel, um die Aufmerksamkeit des Publikums für die werblichen Inhalte zu erreichen.“ (laut Golem vom 14.10.2015 | Bild.de sperrt Nutzer von Werbeblockern aus)

In besagtem Prozess klagte übrigens der Verlag erfolglos gegen die Eyeo GmbH, die mit dem Freikauf von Webseiten aus dem populären Werbeblocker AdBlock Plus Geld verdient. Der Einschätzung des Verlages, dass es sich hierbei um erpresserische Methoden handele, wollten die Richter in Köln nicht folgen.

Aber BILD will es dennoch wissen und zieht die Daumenschrauben an. Die Frage ist jetzt, wie sich die Leute nun entscheiden. Macht man für BILD Online nun eine Ausnahme bei der Werbeverweigerung, wenn man schon so nett darum gebeten wird? Schließt man mit dem Kapitel BILD gänzlich ab? Ich bin hier wirklich einmal auf Zahlen gespannt.

Bei jedem anderen Lokalblatt hätte ich für diese Vorgehensweise Verständnis entwickeln können. Aber dass es nun wieder genau der Marktteilnehmer macht, der nicht darauf angewiesen ist (siehe Unternehmensbeteiligungen) – erweist der Branche einen Bärendienst.
So Ressentimentbezogen das nun auch klingen mag, aber BILD bringt den Kampf gegen die Kostenlosmentalität in Mißkredit. Ich habe ja nicht einmal etwas gegen Werbeblöcke auf Seiten, die außer diesem Kanal keine andere Möglichkeit des Hinzuverdienens haben. Gut, bei mir ist da ohnehin Hopfen und Malz verloren, weil ich generell auf keine Werbung klicke; aber insgesamt haben es zuviele Anbieter einfach auch übertrieben. Die Leute setzen Ad Blocker ja nicht zum Spaß ein. Und dass nun die BILD Zeitung daherkommt und den Leuten die digitale Notwehr madig macht – das ist schon ein starkes Stück.

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