Willkommen in der Google Perspektivfalle

Ich lese (beantworte) viele Fragen zur Suchmaschinenoptimierung. Ich lese keine oder zumindest sehr, sehr wenige Fragen zur Optimierung der Usability. Und das ist eben diese Perspektivfalle, in die wir Webworker häufig geraten und uns daraus nicht mehr befreien können.

Die Fragen lauten meist so ähnlich:

Wenn ich Maßnahme xyz auf meiner Seite umsetze, wie kommt das bei Google an?

Meine erste Frage wäre da immer:

Wie kommt das beim Nutzer an?

Google bestellt keine Waren in eurem Onlineshop, Google teilt/bewertet keinen Beitrag und Google ruft euch auch nicht an oder abonniert einen Newsletter. Das tun immer noch Nutzer bzw. Kunden. Denen ist das relativ wurscht, ob ein Google-Tool meckert, dass eine Graphik auf eurer Seite noch um weitere 487 Byte geschrumpft werden könnte.

Mir ist natürlich auch klar, dass ein SEO’ler diese Google-zentrierte Perspektive einnimmt und sie dann auch nicht mehr verlassen wird; schließlich heißt SEO ja Search Engine Optimization und das bedeutet in der Netzwelt nun mal Google. Jaja, ich weiß … DuckDuckGo und Bing rollen den Markt auf. *Hüstel*

Deshalb ist es hilfreich, wenn sich Webseiteninhaber dazu durchringen können, an ihre Seiten außer SEO’lern auch andere Spezialisten ranzulassen. Den Blick weiten und über den Tellerrand hinausschauen.

Keyword-Domains, das ist auch so eine Seuche. Ich will jetzt keine Diskussion über Keywords in Domains als Rankingfaktoren lostreten, aber mir ist eine Seite, die unter www.ichhabespassbeimkochen.de läuft lieber, als www.beste-kochrezepte-vegan-kostenlos.com
Ihr müsst Freude und Spaß an der Seite haben und Eure Leser auch.

Besonders gern nachgefragt wird das „richtige“ Vorgehen beim Setzen von externen Links. Nofollow doch sicher?! Oder besser gleich gar keinen Link setzen? Es könnte sich negativ auf meine Linkpower auswirken? Einen Backlink verschenken – aber mir schenkt doch auch keiner was?
Dazu einfach mal beim guten Onkel Karl Kratz nachlesen.

Eine der letzten Fragen betraf die Integration automatisierter Übersetzungsdienste auf WordPress, sprich: den Google Translator.
Abgesehen von Englisch bin ich bei jeder anderen Sprache froh, wenn mir eine ins Deutsche übersetzte Version angeboten wird. Aber nicht so lieblos von einem Computer sturr übersetzt. In einem Tech-Blog, wo es nur auf ein, zwei erklärende Zeilen zu einer Programmierlösung ankommt, mag das ja noch gehen, aber alles andere ist ih bäh.
Argumentation des Fragestellers war, dass man mit dem Google Translator schnell und kostengünstig Inhalte übersetzen lassen kann und Google das eventuell positiv vermerken würde, dass man sich auch um Leser aus anderen Sprachregionen bemüht.
Naja.
Ich weiß jetzt nicht, wie das bei Google ankommt. Bei mir als möglichem Käufer eures Produktes oder Nutzer eurer Dienstleistung kommt nur an: Ich bin es euch nicht wert, dass ihr etwas Geld oder Zeit investiert, um zumindest die eine Beschreibungsseite in korrektes Deutsch zu übersetzen. Ich fühle mich dann als anvisierter Kunde einfach nicht genügend wertgeschätzt. Mir kommt es dann so vor, als seid ihr selbst von eurem Produkt nicht so recht überzeugt; Ergo – ich würde euer Produkt nicht kaufen! Und da ist es mir völlig egal, wie Google das bewertet.

Daher meine Bitte an Euch:

Verlasst mal für einen Moment die Google-zentrierte Perspektive. Vergesst Buzzwords wie Pagespeed, Keywords, SERPS, Adwords Kampagnen, Text-Code-Ratio.

Analysiert eure Seite mal unter dem Aspekt des Nutzers, der Usability, des Look & Feel.
Ihr werdet erstaunt sein, was sich noch für Möglichkeiten, welche anderen Welten sich Euch eröffnen 🙂

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