Rezension: WordPress für Entwickler: Crashkurs (David Remer)

In meiner Rezensionsreihe von WordPress Handbüchern ist dieses Mal David Remers „WordPress für Entwickler: Crashkurs“ dran.

Rezension: WordPress für Entwickler: Crashkurs
Autor: David Remer
Verlag: Books on Demand
Auflage: 1 / 2015
Seiten: 312
ISBN: 978-3734764783
Preis: 29,95 €

Hier haben wir mal einen ganz anderen Vertreter in Sachen WordPress Literatur. Zu ca. 80-90 % kommen einem im WordPress Sektor Bücher unter, die mehr oder weniger die blutigen Anfänger an die Hand nehmen wollen. Mit mehr und manchmal weniger guten Resultaten.

David Remers WordPress für Entwickler ist hingegen etwas, worauf ich schon viele Jahre gewartet habe (zumindest im deutschsprachigen Bereich): ein Buch für Entwickler und WordPress-Anwender, die wissen wollen, was unter der Haube passiert.

Der Autor schafft es, auf 312 Seiten dem CMS WordPress etwas von seinem technischen Blackbox Charakter zu nehmen, den es mittlerweile aufgebaut hat.
Anfänger und Leser, die es auf durchexerzierte „wie baue ich Schritt für Schritt eine WordPress Seite für xyz auf“ Beispiele abgesehen haben, sollten von dieser Veröffentlichung die Finger lassen. Kinners, das Buch ist nicht für euch gemacht!

Ihr werdet auch gleich sehen, warum.

Das Buch gliedert sich in 6 Teile, 15 Kapitel, zahlreiche Unterkapitel und zwei Anhangbereiche (die nicht sehr sinnvoll sind).

1. Einführung
2. Vor dem Start
3. Grundlegende Konzepte von WordPress
4. Ein erstes Plugin
5. Die zentrale Nebensache: Widgets
6. Themes erstellen
7. Die Datenbank
8. Der Loop: Darstellung von Seiten und Posts
9. Benutzerdefinierte Felder für Beiträge und Seiten
10. Taxonomien
11. Der einzelne Post
12. Wo bin ich: Konditionale Abfragen
13. Menüs erstellen
14. Errormeldungen abfangen und erstellen
15. Einstellungen speichern und auslesen
16. WordPress Benutzerverwaltung
17.Sicherheit erhöhen mit WordPress Nonces
18. Den Admin erweitern
19. Internationalisierung
20. Weitere Konzepte mit Themen wie Ajax, Cronjobs, Walker Klassen, Rewrite Rules

Der Anhang enthält nur eine Auflistung der Filter- und Actionhooks

Die Reihenfolge der Themen habe ich nicht ganz verstanden. Ich würde meinen, dass bevor ich ein erstes Plugin programmiere (!), die grundlegenden Konzepte und Mechanismen in WordPress geklärt werden. Remer schubst da seine Leser gleich ins kalte Wasser und erklärt erst später, wie man die WordPress-Datenbank anzapft, Inhalte mit Filtern und Hooks manipuliert, mit Benutzerrechten arbeitet …

Das hätte man später alles in ein Pluginbeispiel einfließen lassen können.
Abgesehen von der Reihenfolge (mit der ich nicht ganz so glücklich bin, ihr merkt das sicherlich …), ist die Auswahl der Themenpunkte mehr als sinnvoll. Das Themes-Kapitel einmal ausgenommen zählen alle anderen Punkte zu den Bereichen, mit denen man sich in der WP-Entwicklung herumschlagen muß. Ob das nun der Loop ist, ein selbst erstellter Loop, das Filtern des Loops nach meta tags, Taxonomien oder custom post types, die Benutzerverwaltung, die individuelle Erweiterung des Dashboards, eigene Einstellungen, der Theme-Customizr, die Anbindung an die WP-eigene Datenbank, Internationalisierung, Sicherheit, Cronjobs, Walker-Klassen – das findet man so nicht in anderen Büchern. Und hier nimmt dann auch der Anfänger endgültig Reißaus. Es gibt viele Codebeispiele und Verweise auf den Codex, was man verinnerlichen muß, um es zu verstehen. Keine Plugin-Tips oder Bilderstrecken, wo welches Häkchen gesetzt werden muss.
Allerdings hätte ich mir abweichend vom omnipräsenten WP Codex auch mal andere Quellen und Verweise gewünscht. Es gibt mittlerweile sehr brauchbare Verzeichnisse und Übersichten über die WordPress Hooks, Filter und Funktionen, die übersichtlicher und verständlicher als die offizielle Dokumentation sind.
Die vorgestellten Funktionen werden meistens recht losgelöst von Problemstellungen aus der Realität behandelt. Hin und wieder wird eine Fragestellung aus dem Designprozeß zugrunde gelegt und zur Problemlösung das Codebeispiel geliefert.

Von der Aufmachung her, erinnert es ein wenig an eine wissenschaftliche Veröffentlichung aus dem universitären Bereich. Themenverschachtelung, Fußnoten und Zitate, die durchnummerierten Abbildungen mit -verzeichnis. Das liegt zum Großteil auch an der Art der Veröffentlichung: Books on Demand und wahrscheinlich mit LibreOffice geschrieben. Dadurch wirkt es etwas eintönig und lieblos in der Gestaltung, aber ich bin froh, dass es diese Publikation auch nur irgendwie geschafft hat, auf den Markt zu kommen.
Abstriche muß man bei dem dann doch relativ hohen Prozentsatz an Rechtschreibfehlern machen. Ob sich das auch in den Code-Beispielen niederschlägt, kann ich nicht sagen, da ich noch nicht viele (geschweige denn alle) Snippets ausprobiert habe. Bitte in der nächsten Ausgabe mehr Zeit für das Lektorat einplanen.

Auch beim Anspruch an den Leser wurde nicht immer eine Linie konsequent eingehalten. Gut, nun ist Remer in erster Linie Entwickler und kein Didakt oder Pädagoge (was man den Texten auch anmerkt), aber bei vielen Erklärungen, warum etwas so programmiert werden sollte, musste ich auch 3mal nachlesen, bis ich das kapiert hatte. Andere Abschnitte wiederum sind ein wenig auf Erklärbär-Niveau geraten.

Fazit

Für knapp 30 € erhält der Leser eine in diesem Umfang einzigartige, deutschsprachige Sammlung und Erklärung von technischen Lösungen, um sich WordPress von der Entwicklerseite her zu nähern. Kein Klickibunti, kein „wie funktioniert HTML“ und kein „installier dieses Plugin“. Pure Technik, ohne Schnickschnack.
In der Aufmachung und vom Schreibstil in Teilen verbesserungsfähig, lege ich diese Veröffentlichung aber jedem ans Herz, der verstehen will, wie WordPress abseits eines Visual Composers und Yoast SEO funktioniert.

2 Kommentare:

  1. Ich bin etwas verzweifelt von der Aufmachung her. Ein Beispiel mit ein Plugin wäre sicher besser gewesen welches auch durchgezogen wird. So läuft es von jeden Faden ein bisschen runter um am Ende das volle Fass zu haben. Hoffe ich komme da schnell durch, was ich durch die ersten 100 Seiten bezweifle.

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