Die 9 häufigsten Gründe für das Scheitern von WordPress Projekten

Wenn man der Arbeit wegen lange genug im Netz zu tun hatte, hat man Vieles (aber längst nicht Alles) gesehen.

Darunter waren so einige WordPress-Projekte, die da kamen und vor allem wieder gingen.
Aus Gesprächen oder Beiträgen in Hilfeforen zeichnen sich immer wiederkehrende Muster ab. Die muss man erkennen lernen und schon lässt sich der nächste hoffnungsfrohe WordPresser kategorisieren. Mittlerweile kann ich sehr gut einschätzen, welcher der vielen WordPress-Seitenbetreiber es mit seinem Projekt schafft oder auch nicht.

Die nach meiner Ansicht nach 9 häufigsten Gründe für das Scheitern solcher Projekte habe ich zusammengetragen und erkläre sie. Vielleicht erkennt sich der ein oder andere darin wieder und wird ein wenig erleuchtet 🙂

Keine Geduld

Diesen Punkt könnte man sogar in einer Rangliste ganz nach oben setzen (nicht nur in so einer losen Aufzählung wie hier).
Ich bin erstaunt, dass vor allem die Leute, die eine Webseite als Hobby oder nebenberufliches Standbein betreiben, zu den Ungeduldigsten überhaupt zählen.

Die Seite vor einer Woche online geschalten – hey, die ist bei Google immer noch nicht auf Platz 1? Was läuft schief?

Ich kann euch sagen, was schief läuft. Ihr seid zu ungeduldig. Wenn ihr auf Gedeih und Verderb auf den kurzfristigen Erfolg einer Seite angewiesen seid, ändert schleunigst eure Strategie. Es gibt kein zuverlässiges Erfolgsrezept, was innerhalb von wenigen Tagen greift. Das Zauberwort lautet ohnehin: Nachhaltigkeit.

Eine Seite voranzubringen, kann Monate harter Arbeit bedeuten. Vielleicht sogar Jahre. Manchmal wird es nie etwas. Hier braucht man einen langen Atem, Ausdauer und Biss.

Keinen Plan oder Konzept haben

Der Typus des „Ich fang einfach mal an und schau dann, wohin die Reise geht“ Publishers ist im Netz erstaunlich oft anzutreffen.

Wird das eine Hobbyseite nebenher oder möchte ich von Beginn an Produkte über die Seite verkaufen? Betreibe ich die Seite allein oder wird es Teil eines Netzwerks? Was habe ich eigentlich meiner Leserschaft zu sagen?

Wie oft habe ich erlebt, dass sich Leute zuallererst Webspace bei einem Provider und/oder ein Premium Theme gekauft haben und dann erst Überlegungen anstellen, was für eine Art Projekt sie da eigentlich aufziehen wollen. Und dann stellen sie ganz betrübt fest, dass das mit ihrem Hoster und diesem Theme nicht machbar ist.
Solche Fragen klärt man besser im Vorfeld. Einen Frachter bei voller Fahrt um 180 Grad umzulenken ist ein aufwendiges und riskantes Manöver. Besser man legt gleich den richtigen Kurs fest.

Den Aufwand unterschätzen

Eine WordPress Webseite läuft nicht von allein.

Updates müssen eingespielt, Artikel geschrieben und Kommentare freigeschaltet werden. Bilder erstellen sich nicht von allein, Videos auch nicht und Newsletter erst recht nicht. Zudem wollen die User auch noch regelmäßig mit diesen neuen Inhalten versorgt werden.

Wer denkt, dass einmal einrichten und schlafenlegen angesagt ist, wird schnell eines Besseren belehrt. Warum steht nicht jeder, nur weil er Yoast SEO installiert hat, bei Google auf Platz 1? Weil es mindestens 10 andere Seitenbetreiber gibt, die richtig viel Geld und Aufwand in ihre Projekte stecken.

WordPress kann alles

Ja, es gibt bei WordPress (fast) immer ein Plugin oder Theme für jeden Anwendungszweck. Aber Plugins sind auch nur Hilfsmittel. Sie erleichtern zwar die Arbeit, aber nehmen einem diese nicht ab. Yoast SEO schreibt die Texte nicht von selbst, WPML übersetzt keine Inhalte in andere Sprachen und W3 Total Cache richtet sich nicht von selbst ein. Und wenn die Anfragen in den Hilfegruppen kommen, ob es nicht doch eine kostenlose (!) Lösung gibt, um WordPress zu einer Immobilienscout ähnlichen Buchungs-Verkaufs-und-Communitysite zu machen, dann kann ich nur noch mit den Augen rollen.

Auch wenn weltweit fast jede 4. Webseite mit WordPress betrieben wird, heißt das nicht, das man es für alles einsetzen kann und sollte. Drupal, Typo3, Magento und wie sie noch alle heißen – die sind nicht umsonst erfolgreich am Markt vertreten.

Fehlendes Interesse

Ich habe lange überlegt, wie ich diesen Punkt am besten nennen kann. Hätte ich alle Aspekte in der Überschrift untergebracht, würde ich noch 2 zusätzliche Zeilen benötigen.
Man trifft sehr häufig auf eine Mischung aus Faulheit, Wissenslücken und einer selbstgefälligen Anspruchshaltung, die in diesem Geschäft kontrapdroduktiv ist.
Will ich im online-Geschäft erfolgreich sein, muss ich mich einfach mit den technischen Grundlagen von WordPress, dem Web allgemein, Marketing und der Rechtssprechung (Urheberrecht, online Shops etc.) beschäftigen. Es führt kein Weg daran vorbei. Wie oft fragen mich Leute nach einer Lösung für ein Problem xyz und sind dann nicht willens, sich auch nur zu 1% mit der Materie auseinanderzusetzen. „Bitte so, dass ich kein Stück Code anfassen muss … bin kein Programmierer“.
Was wäre, wenn jemand ein Fuhrunternehmen aufbauen will, aber mit Auto fahren und Führerschein so gar nichts zu tun haben will? Absurde Vorstellung, oder?! Im Internet trifft man aber erstaunlich viele solcher Leute.

Ein Profi würde hier die Entscheidung treffen, ob ganz oder gar nicht. Entweder ich mache es und lerne wo es nur geht oder ich übertrage diesen Aufgabenbereich an einen Experten und konzentriere mich auf andere Dinge.
Den Mittelweg gibt es natürlich auch, aber der führt selten zum Erfolg und ist mit Frustrationen übersät.

Am falschen Ende sparen

Den billigsten Hoster, den billigsten Domain Registrar, das Theme und die Plugins möglichst kostenlos und Programmierarbeiten oder Photos – mach ich halt alles selber. Es ist zu einer sportlichen Herausforderung verkommen, jede Leistung für möglichst umsonst einzukaufen und es anderen unter die Nase zu reiben, was man wieder von ein vermeintliches Schnäppchen gemacht hat.
Es spricht ja nichts dagegen, ein Auge auf die Kosten zu haben. Aber zeigt mir eine der top Webseiten, die es mit dieser Einstellung bis ganz nach oben geschafft haben. Ich will nicht sagen, dass es keine guten, kostenlosen Plugins gibt oder dass jedes Theme automatisch gut ist, nur weil es eine Stange Geld kostet – aber es gibt einfach sehr viele Leute da draußen, die billig mit günstig verwechseln.

Wer billig kauft, kauft zweimal. Ja, auch in Zeiten des Alles-für-jeden-und-zwar-umsonst Internets kostet Qualität Geld. Keine Angst, ihr werdet das auch noch festellen. Ich weiß das.

Die eigenen Fähigkeiten überschätzen

Ich staune, was für Allround-Genies ich täglich im Netz begegne. Die machen vom Aufbau und Einrichten der Webseite, Serverbetreuung, über Texte schreiben, SEO+SEM betreiben, Produktphotos erstellen und Webstatistik alles selbst. Vom eigentlichen Kerngeschäft mal ganz abgesehen. Da wird dann 10 Stunden an einem Problem herumgedoktert, für das ein Profi eine Stunde benötigt hätte. Was hätte man in diesen 10 Stunden für sinnvolle Arbeiten erledigen können?!

Ganz ehrlich: das ist keine Taktik, um nach vorn zu kommen, so gut sich jeder auch überschätzen mag. Die Seite kann zwar trotzdem laufen und sogar Umsätze generieren, dümpelt aber mit vielen, vielen ähnlichen Angeboten im Mittelmaß und unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle vor sich hin.
Einen erfolgreichen Seitenbetreiber erkennt man daran, dass er richtig einschätzen kann, wo seine Stärken und Schwächen liegen UND danach handelt.

Die Konkurrenz und die eigene Zielgruppe nicht kennen

Wie, das gleiche Produkt gibt es schon? Nur viel besser und günstiger?

Manche Leute fallen echt aus allen Wolken, wenn man ihnen erklärt, warum ihre Seite keinen Erfolg hat. Das kann daran liegen, dass der Marktbereich einfach zu umkämpft ist und es viele Konkurrenten gibt, die es besser machen. Oder der Seitenbetreiber kennt seine Zielgruppe nicht, weil er die selbstzentrierte Sichtweise nicht verlassen kann.
Nur weil ihr Gästebücher und aufpoppende Formularlayer toll findet oder auf übertriebene Jugendsprache setzt, muss das bei euren angestrebten Kunden/Lesern nicht auch so sein.
Es mag ja auch eine Zielgruppe für Haustierkosmetik geben (oder auch nicht, hoffentlich), aber wie groß die ist und wie man die mit welchen Infos anspricht – das muss man herausfinden. Und zwar nicht durch trial and error.

Keine Botschaft haben

Dieser Punkt betrifft (wie so einige andere auch) nicht unbedingt nur WordPress Projekte. Er ist auch eng verwandt mit „Keinen Plan haben“, unterscheidet sich aber in der Hinsicht davon, dass viele Seitenbetreiber zwar wissen, wo sie hin wollen, aber ihren Lesern so rein gar nichts mitzuteilen haben. Dann werden die gefühlt immer gleichen Stockphotos gekauft und eingebunden sowie Texte direkt aus dem Bullshitgenerator entnommen. Ein bisschen bei Wikipedia abgeschrieben und das soll dann Massen von Lesern (Kunden) anziehen.

Es fehlt an Liebe zum eigenen Projekt.

Solche Webseiten erkennt man auch oft daran, dass bis 3 Monate nach Freischaltung brav etwas geschrieben und veröffentlich wird, aber spätestens dann nur noch sporadische Einträge vorhanden sind (wenn überhaupt). Häufig gibt es dann einen letzten Eintrag mit einem Link zu einer Tumblr oder Instagram Seite, wo wenigstens das Selfie-Publishing funktioniert.

Habe ich nichts zu sagen, brauche ich nicht unbedingt eine Webseite, um das vor allen Leuten zu dokumentieren. Meistens reicht dafür ein Facebook-Account.

Ein Kommentar:

  1. Bei unserer ersten Webseite bzw. unserem damaligen Blog haben wir so ziemlich alle Fehler auf einmal gemacht. Am schlimmsten wirkt sich allerdings der erste aus. Wenn man schon früh aufgibt, weiß man ja nicht, ob man evtl noch weiter gekommen wäre…

    Falls uns noch einmal der Frust packen sollte, beherzigen wir dann den Tipp mit Instagram. Selfies sollen ja gerade in Mode sein.

    LG

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