Warum WordPress nicht immer die Antwort ist

Erster Beitrag in 2015. Yeah.
Ich hoffe, Ihr seid alle gut reingerutscht; ins Neue Jahr versteht sich.
Und dann fangen wir auch gleich mal an.

Das Thema: Ist WordPress für Alles geeignet?

Die Antwort vorneweg: Nein. Natürlich nicht.

Es ist ein gutes Allroundsystem und eine sehr gute Blogging Software. Keine Frage.
Das Problem ist nur: wenn ich einen Hammer in den Händen halte, sieht plötzlich alles wie ein Nagel aus. Verschiedene Probleme müssen aber mit verschiedenen Werkzeugen gelöst werden.

In den Foren rund um WordPress klingt jede zweite Frage wie: Ich habe WordPress und dieses Theme sowie jenes Plugin dazu – wie gestalte ich jetzt xyz?

Völlig falscher Ansatz.

Erst wird das Problem analysiert bzw. die Zielstellung definiert und dann sucht man sich seinen Werkzeugsatz zusammen. Nicht andersherum. Und es gibt in der Tat so einige Bereiche, wo WordPress mehr der Hering ist, mit dem man versucht, den Nagel einzuschlagen.

Wofür WordPress eher weniger geeignet ist.

Dokumentenmanagement

Bilder in die Mediatheke laden – nichts leichter als das. PDF Dateien – mag auch noch gehen. Aber schon bei Word Dokumenten hört es manchmal auf und bei ganz exotischen Dateitypen (für WordPress alles außer JPG, PNG, GIF und PDF) streikt der Uploader einfach. Ganz zu schweigen von einer ausgeklügelten Rechteverwaltung (wer darf welche Dateien sehen und Bearbeiten). Medien in Kategorien einteilen oder mit Schlagworten versehen, ist nur mit Hilfsmitteln möglich. Das bringen andere CMS out of the box mit. Physische Ordner auf dem Server, die man vielleicht noch beliebig verschachteln möchte? Keine Chance.

Eine Alternative, mit der ich bisher ganz gute Erfahrungen gemacht habe, ist beispielsweise Alfresco Dokumentenmanagement.

Und nein, in einer Multisite hat jeder Subblog eine eigene Mediathek, die von den anderen Subblogs aus nicht zugänglich ist. Alle programmiertechnischen Lösungen sind nur „Krücken“.

Forum bzw. Benutzerverwaltung

Für Foren oder Benutzerbereiche gibt es weitaus bessere Spezialsoftware. WordPress kann von Haus aus nicht einmal die Benutzerrechte erweitern oder neue -rollen und -gruppen anlegen. Für all diese einfachen Arbeiten benötigt man Plugins.
Threads und Diskussionsbereiche erstellen – geht nur über entsprechende Themes oder eben auch Plugins. Warum nicht gleich das richtige Pferd satteln?

phpBB ist im Bereich der Foren- und Community Software häufig vertreten.

Online Shops

Ja ich weiss, es gibt WooCommerce. Aber davon abgesehen, wer kommt auf die Idee, eine Blogsoftware mit Gewalt zu einer Verkaufssoftware umzustricken? Spätestens, wenn es mehrere Tausend Produkte gibt und eine Warenwirtschaft angeschlossen werden muss, kommen nur Magento und Co. wie z.B. Prestashop in Frage.

Mehrmandantenfähigkeit

Was sich hinter diesem sperrigen Fachbegriff verbirgt, ist einfach mit dem Begriff WordPress Multisite zu erklären. Eine Installation, aber verschiedene Blogs (sprich Webseiten) damit betreiben. Das klappt mit dem Multisite Feature mehr schlecht als recht. Domain Mapping ist z.B. ohne das entsprechende Plugin nicht möglich. Schön, dass es eine kostenlose Lösung dafür gibt, aber schon wieder etwas, wovon man sich abhängig macht.
Die Zahl der Plugins, die auch in einer Multisite-Umgebung funktionieren, nimmt erfreulicherweise zu – aber immer noch gibt es Erweiterungen, die rumzicken, sobald man das gewohnte Feld der Single Installation verlässt.
Es ist nicht so, dass es gar nicht funktioniert (ich selbst betreibe fast nur noch Multisites), aber wenn man in der Materie drin steckt, erkennt man schnell die Schwachstellen und stellt fest, dass das andere Systeme besser können.

Schaut mal bei Drupal, Contao oder Contenido vorbei.

Erweiterte Seitentypen

Was ist damit nun wieder gemeint?! WordPress kennt von Haus aus zwei Objekte: den (Blog)Artikel oder -beitrag und die Seite (page). Alles, was darüber hinausgeht, muss nachgerüstet werden.
Dafür gibt es mit eigenen Seitenvorlagen, Post Types oder mit Custom Post Types entsprechende Mittel und Wege. Entweder per Hand oder mit Hilfe eines Plugins. Aber man muss es eben auch erstmal machen und auch wenn ein Plugin dabei behilflich ist – ohne Ahnung wird es die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, wenn es einmal nicht funktioniert.
Und auch wenn man das dann mit einem mächtigen Werkzeug wie den Custom Post Types gelöst hat, ist nicht sichergestellt, dass auch alle Plugins mit diesen Custom Post Types klarkommen.
WordPress kommt nun einmal aus der Bloggerecke und dort war man nicht auf spezielle Inhalts- und Seitentypen angewiesen. Blogpost schreiben und fertig. Das modulare Zusammenstöpseln von Inhalten ist in WP erst sehr spät hinzugekommen und in gewisser Weise immer noch nicht 100% realisiert.

Wer mal richtig frickeln will, sollte sich mal MODX ansehen.

Fazit

Man könnte noch einige weitere Bereiche anführen, für die WordPress nicht ausgelegt ist – aber ich denke, das hier sollte reichen, um mein Anliegen zu verdeutlichen.

WordPress ist ein tolles Publishingsystem. Mittlerweile vielleicht etwas zu groß und unhandlich geworden, aber immer noch einfacher zu bedienen und einzusetzen als 90% der anderen Systeme. Irgendwie, mit viel Kraft (manchmal) und Geduld bekommt man es dazu, Männchen zu machen. Definitiv.

Allerdings sollte man sich viel öfter bereits im Vorfeld fragen, ob WordPress die geeignete Software für das Vorhaben ist und ob es nicht spezielle Systeme gibt, die den gewünschten Aspekt abdecken.
Das erspart unter Umständen viel Zeit nach der Lösungssusche und damit viel Geld.

2 Kommentare:

  1. Hi Lars,

    da stimme ich dir voll zu. Ich bin ein großer Fan von WordPress, aber das System, nunmal hauptsächlich für Blogs entwickelt, hat seine Grenzen.

    Doch muss man sagen, dass Plugins mittlerweile einige sehenswerte Funktionen übernehmen. Ich habe schon einige große Communitys gesehen, die mit WordPress geführt werden. Ob das immer die bequemste Lösung ist… 🙂

    Gruß,
    Viktor

  2. Auf Grund der großen Community ist es halt unglaublich preiswert für WordPress zu entwicklen und damit zu arbeiten. Gibt so gut wie alles irgendwo schon mal.

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