Ihr müsst Facebook kontrollieren

Was heisst kontrollieren in diesem Zusammenhang?

Schauen, dass es (technisch) läuft? Ja, auch.
Schauen, dass die Einstellungen der Privatssphäre und der Drittanbieter-Apps richtig gesetzt sind? Aber sicher.

Mit Kontrolle meine ich jetzt aber die gezielte Machtausübung auf der eigenen Fanpage. Setting der Agenda. Bewusstes Agieren statt nur Reagieren. Lasst die Dinge nicht einfach Laufen.

Ich betreibe (mal kurz überlegen) 6 Facebook Fanpages und sehe nebenher vieles von den lieben Kollegen. Vieles das schiefläuft.

Natürlich kann ich mit der Einstellung rangehen: ich habe jetzt einen Facebook Account eingerichtet, es möge sich bitte sofort der Erfolg einstellen. Die Leser sollen bitteschön zu Fans werden, die Seite liken und sich fleißig mit Kommentaren und Teilen der Inhalte beteiligen. Und zwar alles von selbst. So funktioniert doch Facebook (und dieses ganze Internetdings)?!

Nein, so funktioniert es eben nicht!

Ihr müsst erstens dafür etwas tun und zweitens müsst ihr es richtig tun.
Etwas tun bedeutet, ihr müsst eine Strategie entwickeln und diese dann in die Tat umsetzen. Das ist gar nicht so einfach, wenn man mal den Catcontent und die Abteilung alberne Sinnsprüche weglässt. Viele stellen dann fest, dass sie der Welt gar nicht so viel Substanzielles mitzuteilen haben. Wenn das so ist, empfehle ich einen Rückzug aus Facebook.
Wenn auch nur die Hoffnung besteht, dass für Facebook genug Inhalte vorhanden sind oder sich generieren lassen, die für die Leser den berühmten Mehrwert darstellen – unbedingt dabei bleiben. Allerdings muss ich dann meinem Veröffentlichungsverhalten etwas Struktur geben und die Qualitätsanforderungen an meine Beiträge hochsetzen.

Das wäre das Eine.

Und nun sehe ich hier und dort kleine Kommunikationsdesaster. Und das gar nicht mal so selten. Obwohl ich nicht einschätzen kann, woraus sie genau resultieren, zeigen sie in ihren Auswirkungen ähnliche Muster. Die Seitenbetreiber glauben nämlich, mit dem Veröffentlichen eines Beitrags/Bildes/Videos ist es getan. Jetzt würden die Leute kommen und damit schon irgendwas Tolles anstellen. Social media als Einwegkommunikation. Und was soll ich euch sagen – natürlich funktioniert es nicht. Facebook ist keine Pressekonferenz im Moskauer Kreml, wo ein großer Zampano Informationshäppchen verteilt, die der willige Journalist begeistert schluckt und herunterschlingt. Facebook ist ein Kommunikationskanal, basierend auf diesem Mitmach-Gedanken, der mal das Internet geprägt hat.

Und das wäre das Andere: Ihr müsst die Kommunikation bzw. alles was auf eurer Seite abläuft, kontrollieren. Nennt es Steuern, Bestimmen – was auch immer.

Das heisst auch, kein Beitrag darf wegen seiner selbst veröffentlicht werden. Er muss einem Zweck dienen und dies muss für eure Fans und Leser erkennbar sein. Der Zweck kann ja ruhig darin bestehen, dass der Beitrag einfach nur Likes einfahren oder geteilt werden soll. So könnt ihr beispielsweise testen, zu welcher Tageszeit ihr wieviele Reaktionen erhaltet und in welcher Form. Aber ihr müsst das eben kommunizieren.
Weiterhin dürft ihr euren Fans nicht das Gefühl geben, dass ihr der Zar seid und sie die Untergebenen. Einfach ein Bild ohne Erklärungen einstellen und erwarten, dass die Facebooknutzer sich selbst einen Reim drauf machen? Wann soll sowas funktionieren? In den 1990ern?
Das betrifft natürlich auch Links, Statusmeldungen oder geteilte Beiträge anderer Facebooknutzer.
Bitte wenigstens einen Satz zur Erklärung, was das soll und was ihr euch von den Lesern erwartet.
Sonst übt ihr keine Kontrolle aus und die investierte Arbeitszeit verpufft im Nichts.

Ihr müsst nicht auf jeden Kommentar reagieren oder euch für jeden Like einzeln bedanken, um Gottes Willen. Aber wenn ihr merkt, in der Kommentardiskussion läuft etwas aus dem Ruder, dann müsst ihr reagieren. Ruhig und besonnen. Facebooknutzer sind letztlich auch nur Menschen. Das Löschen von Kommentaren, Sperren von Nutzern oder Deaktivieren der Kommentarfunktion sollte dennoch erst im letzten Moment zum Einsatz kommen. Denn dann ist euch nämlich die Kontrolle bereits entglitten.
Ich hatte vor einigen Wochen den Fall, dass eine (sicher gut gemeinte) Facebook Aktion eines Freundes von den Nutzern ganz anders aufgefasst wurde und es nur negative Kommentare hagelte. Doch statt zu reagieren und die Motivation zu erklären und begründen, wurden einfach neue Beiträge mit bunten Bildern und lustigen Videos eingestellt. Leider bleibt ein negatives Erlebnis besser in Erinnerung als zehn lustige Sprüche.

Noch etwas ist wichtig; eure Facebook Freunde wollen gestreichelt und gehätschelt werden. Vor allem wollen sie ernst genommen und als gleichrangige Partner behandelt werden. Jeder möchte das. Warum sollten auch die Gepflogenheiten im Umgang miteinander im Internet nicht gelten? Weil dort alles so virtuell ist?
Behandelt die Anliegen der anderen Facebooknutzer so, wie ihr sie im wahren Leben behandeln würdet. Vor allem, lasst Anfragen an euch nicht unbeantwortet. Einmal kann passieren (z.B. wenn die PN im Ordner „sonstige“ auf FB verschwindet), aber mehrere Anfragen unbeantwortet liegenlassen – ihr wisst schon, Zar und Untergebener.
Und reagiert zeitnah auf Anfragen. Wozu haben wir diesen ganzen technischen Firlefanz erfunden, wenn eine Antwort doch wieder eine ganze Woche benötigt? Manchmal ist eine Zeile, schnell per Chat geschrieben, völlig ausreichend. Da muss kein Roman auf öffentlichem Briefpapier mit Unterschrift des Abteilungsleisters verfasst werden.

Was ich euch also eigentlich zeigen will, ist die Bedeutsamkeit des zielgerichteten Handelns auf einer Facebook Fanpage. Wenn ihr den blauen Riesen erfolgreich für eure Zwecke nutzen wollt, müsst ihr handeln, euch damit beschäftigen und die Kontrolle ausüben. Sonst seid ihr nur Getriebene, eingereiht in die breite Masse der Konsumenten.

Ihr wollt aber selbst bestimmen, wohin die Reise mit eurer kleinen Segeljolle geht. Ja, das ist nicht einfach und harte Arbeit. Das ist aber allemal besser, als wie ein kleiner Korken auf den Riesenwellen im Atlantik zu tanzen.

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