Was bringt das neue Google Maps

Google hat seinem Kartendienst (inzwischen müsste man wohl sagen Geo-Dienst) eine Frischzellenkur gegönnt. Was hinzugekommen ist, was sich geändert hat – hier lest ihr es.

Noch können nicht alle Nutzer auf das neue Google Maps zugreifen, aber ich habe mich sozusagen als Betatester angemeldet und hier sind die ersten Eindrücke.

1. Das neue Erscheinungsbild

Wichtigste Änderung vorweg: die linke Seitenleiste ist zugunsten einer Fullview-Ansicht verschwunden. Es gibt nur noch das Suchfeld oben links, dass sich aufklappt, wenn man mit der Maus drüberfährt. Alle Infos zu Suchergebnissen in der Karte werden in einer Box unterhalb der Suchmaske angezeigt.

Vollbildansicht des neuen Google Maps

Vollbildansicht des neuen Google Maps

Aus welchem Grund auch immer, aber der Kartenaufbau gestaltet sich im Firefox mehr als langsam. Ich hoffe, Google dreht bis zum vollständigen Rollout des Dienstes an der Performanceschraube.

Das Navigieren in der Kartenansicht geschieht nur noch über das Ziehen mit der Maus. Lediglich der Zoom kann auch noch über den Plus/Minus Button „händisch“ erfolgen. Den Button hat man leider sehr unglücklich in die rechte untere Ecke verbannt. Gleich darunter befindet sich eine Thumbnail-Leiste, die sich als „Erkunden“ Feature entpuppt. Wer das braucht, wird sich freuen. ich persönlich halte es für nutzlosen Ballast.
Das Umschalten zur Satellitenbildansicht (Luftbilder wäre treffender) geschieht über ein Thumbnailbild, das wiederum in der linken unteren Ecke zu finden ist. Insgesamt ist diese Lösung suboptimal, da man Kontrollmechanismen besser gebündelt lassen sollte. Nutzer, die mit älteren Browsern (ohne WebGL Unterstützung), älteren Graphikkarten und -treibern sowie unliebsamen Betriebssystemen (zum Beispiel Linux :o)) unterwegs sind, bekommen nur die Lite-Ansicht zu sehen. Keine Google Earth like Experience also …

Infos zu einem Kartenobjekt werden jetzt in einer Box eingeblendet.

Infobox zu einem Kartenobjekt

2. Änderungen in den Funktionen

Nicht dass ich Streetview vermissen würde, aber wo ist das Männchen hin, dass man per Drag & Drop auf eine Straße setzen und Google Maps somit in die Streetview-Ansicht versetzen konnte?
[adsensecode336x280]Im alten Google Maps konnte man mit einem Rechtsklick in der Karte, die Karte an diesem Punkt zentrieren und über das Linksymbol die Koordinaten für diesen Punkt auslesen. Die Rechtsklick- wie auch die Verlinkungsfunktion scheinen weggefallen zu sein. Ebenso die Möglichkeit, Routen zu exportieren.
Dafür zeigt Google Maps nach einem Klick mit der linken oder rechten Maustaste die Adresse des Punktes an, sofern eine vorhanden ist. Nettes Gimmick, aber ich hätte gern das alte Kontextmenü nach dem rechten Mausklick wieder. Man kann eine Location in der Karte jetzt ganz einfach der Kategorie „Meine Orte“ hinzufügen, die es auch schon im alten GM gab. Will man alle  diese Punkte wie früher in einer Liste aufgeführt haben, muss man auf das Zanrad-Icon rechts oben klicken und „Meine Orte“ auswählen. Dazu wechselt Google Maps aber in die alte Ansicht. Ich bin gespannt, wie das nach der Umstellung aussehen wird.

3. Das „Orientierungs“ – Feature in Google Maps

Google hat jetzt alle Location Based Services von Google Maps unter dem Punkt „Orientierung“ untergebracht. Und da sind einige Features dabei, die es echt in sich haben.

3.1. Verkehr

Hierunter versteht Google den Autoverkehr. Man erhält also die Anzeige des aktuellen Verkehrsflusses auf den Straßen des Kartenausschnitts. Wo kann man zügig durchfahren, wo staut es sich – dargestellt mittels einer Grün-Rot Skala. Ob die Anzeige der Verkehrslage jetzt so unbedingt unter „Orientierung“ gehört, ist fraglich. Ich weiß auch nicht, woher Google die Daten hat bzw. mit wem kooperiert wird, aber für Berlin-Charlottenburg sieht das beispielsweise so aus:

Im neuen Google Maps wird der aktuelle Verkehrsfluß angezeigt.

Die aktuelle Verkehrslage für den Autoverkehr

3.2. Öffentliche Verkehrsmittel

Hier erhält man die Haltepunkte und Stationen des ÖPNV eingeblendet. Berücksichtigt wird allerdings nur der S- und U-Bahn Verkehr sowie der Regional- bzw. Fernverkehr (Die Anzeige dieser Bahnhöfe ist noch sehr ruckelig). Buslinien und -haltestellen fehlen leider. Die Linien und Strecken sind farblich dargestellt. Klickt man auf eines der viel zu klein geratenen Kartensymbole, wird in der Infobox eingeblendet, welche Linien an diesem Bahnhof zusammenlaufen. Dazu gibt es ein Photo (meistens aus Streetview), wie dieser Bahnhof aussieht. Über die Links zum Verkehrsverbund oder -unternehmen in der Infobox kommt man auf die entsprechende Webseite.

Das Modul "Öffentliche Verkehrsmittel" im neuen Google Maps zeigt in Berlin vor allem S- und U-Bahnstationen an.

Öffentliche Verkehrsmittel in Google Maps

3.3. Mit dem Fahrrad

Google entdeckt die Radfahrer und stellt Radwege oder zum Radfahren geeignete Wege dar. Bereits etablierte Fernradwege oder Rundwege werden nicht erkannt; das Kartenbild sieht generell wie ein Flickenteppich aus. Nur Informationen zur „Qualität“ (wie immer die auch definiert ist). Hier empfiehlt es sich dann doch noch auf einen anderen Dienst zurückzugreifen.

Radfahrwege und ihre Qualität in und um Prenzlau

Radfahrwege in Google Maps

4. Der Google Maps Routenplaner

Der Routenplaner arbeitet jetzt in 4 verschiedenen Modi, die mal mehr mal weniger ausgereift sind. Umgeschalten wird mittels vier Symbolschaltflächen.

4.1. Mit dem Auto

Bei der Routenplanung springt Google Maps zuerst in diesen Modus, da es der älteste und stabilste ist.
Dazu kann man sich die aktuelle Verkehrslage einblenden lassen. Folgt man der Anleitung baut sich der Bildschirm neu auf. Links die Fahranweisung und rechts das Kartenbild mit der Route. Klickt man links in der Anleitung auf eine Anweisung (an Straßenkreuzung abc in die xyz-Straße einbiegen), springt die Karte zum jeweiligen Ort. Weiterhin kann man auswählen, ob man die „Beste Route“ (Zeit oder Entfernung?), die Route von Autobahn, ohne Mautstraßen oder ohne beides ermittelt bekommen möchte.

4.2. Mit Öffentlichen Verkehrsmitteln

Das ist ein Feature, das sich nur im städtischen Raum nutzen lässt. Schon die direkte Bahnverbindung Schwedt-Berlin kann nicht gefunden werden. Wenn man sich auf Berlin konzentriert, erhält man aber auch kuriose Ergebnisse. Zumal der Busverkehr gänzlich ausgeklammert wird und Umsteigen zwischen S- und U-Bahn bei Google wohl nicht vorgesehen ist. Man erhält sehr oft den Vorschlag, teils kilometerlange Fußwege zum Ziel zu machen, anstatt einfach in den Bus zu steigen. Bei der Auswahl der zu benutzenden Verkehrsmittel bietet Google Maps folgende Optionen an: Alle, Bus, U-Bahn, Zug, Straßenbahn. Für den Großteil funktioniert es aber nicht.
Optimiert werden kann wieder auf  „Beste Route“, dazu kommen dieses Mal die Alternativen „Wenig Umsteigen“ und „Kurze Fußwege“.
Auch bei diesem Feature empfehle ich eher die Fahrinfodienste der örtlichen Verkehrsbetriebe wie www.bvg.de. Da kann man deutlich mehr variieren und erhält bessere Ergebnisse.
Es wäre für Google sinniger gewesen, zum Beispiel hier in Berlin an die Verkehrsbetriebe heranzutreten und den Google Maps Dienst in die Fahrinfo zu integrieren. Die Verbindungssuche hätte bei der BVG bleiben können – das läuft dort nämlich viel besser  – und nur die Kartenansicht (wird bei der BVG eher stiefmütterlich gehandhabt) wechselt zu Google Maps. Dann hätte Google immer noch einen Fuß in der Tür gehabt.

Routenplaner in Google Maps - öffentliche Verkehrsmittel

Routenplaner in Google Maps – öffentliche Verkehrsmittel

4.3. Zu Fuß

Dieses Feature war ja schon experimentell im alten Google Maps vorhanden. Ob das immer so sinnig ist, was Google da vorschlägt wäre zu eruieren. Jedenfalls kann man bis auf das Umschalten von Meilen in Kilometer keine weitere Einstellung vornehmen. Eine ganz witzige Option, die meines Wissens nach auch kein andere Geodienst so anbietet. Es wird aber eine Nische bleiben.

4.4. Mit dem Rad

Ähnlich dem Fußgängermodul bietet einem dieses Feature nur ein Umschalten in den Entfernungseinheiten an. Wie die Auswahl der Route für den Radfahrer erfolgt, wird einem nicht mitgeteilt. Andere Radwegeplaner bieten da viel mehr an. So zum Beispiel das klassische BBBIKE zu dem ich auch raten würde.

Fazit

Eine neue Oberfläche ist nicht immer ein Anzeichen dafür, dass auch unter der Haube alles besser geworden ist. Im Falle Google Maps ist der Umstieg auf die Vollbild-Ansicht mit dem Suchfeld zwar positiv zu bewerten (wobei die Steuerungskontrollen wie wild über den Bildschirm verteilt werden), aber die Routenplandienste (um die es hauptsächlich geht) sind stark verbesserungswürdig. Mir fällt bis auf die Fahrtroutenplanung mit dem Auto zu jedem Modul ein besserer Ersatzdienst ein. Sieht man einmal vom Fußwege-Modus ab. Vor allem im Modul der öffentlichen Verkehrsmittel knirscht es noch gewaltig.
Auch war die Performance noch nicht überzeugend – das wird sich bis zum finalen Freischalten des Dienstes wohl auch noch ändern.
Aber abgesehen von den angesprochenen Kritikpunkten ist es ein Schritt in die richtige Richtung und macht für Google durchaus Sinn. Die Nutzer wollen inzwischen mehr als nur eine digitale Karte.
Hier legt Google erst einmal vor und das ist das wichtige daran. Es geht weg vom reinen Mappingdienst hin zu einen umfassenden Geodienst mit Mehrwert für die Benutzer. Vor allem Openstreetmap wird hier unter Druck geraten.

7 Kommentare:

  1. Mir ist auch aufgefallen, dass das neue Google Maps extrem langsam ist. Daraufhin habe ich ein wenig recherchiert und bin auf die Lösung gekommen: der Lite-Modus!
    Weitere Infos gibts im Artikel auf meinem Blog.

  2. Kann man keine Zwischenziele mehr einfügen?
    Wenn doch, wie?

  3. Wo bitte ist dieses „Orientierung“? Ich würde gerne wie früher U-Bahn-Linien einblenden. Haltestellen werden angezeigt, ja. Aber wie blendet man den Linienverlauf ein?

  4. Kann man eigentlich bei Google Map Maker (etc.) Öffentliche Verkehrsmittel extra eintragen, falls welche fehlen?

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