Nordkorea jetzt auf Google Maps

Fumiko Lipp stellt in seinem/ihrem (?) Beitrag auf br.de fest: „Nordkorea ist aufgetaucht: Gulags und Atomkraftwerke„.

Tatsächlich ist der diktatorisch regierte Staat in Ostasien rudimentär auf der Google Maps Karte abgebildet.

Angeblich hätten seit 2009 Hobbykartographen daran gearbeitet, den ehemals weißen Fleck auf der Landkarte mit Straßen, Siedlungen und Infrastruktur zu füllen. Alles über Google Map Maker.

Der Gulag Yodok auf der Google Map von Nordkorea. Copyright: Google Maps

Der Gulag Yodok auf der Google Map von Nordkorea. Copyright: Google Maps

Natürlich ganz wichtig (der Titel kündigt es ja an): die Atomkraftwerke und Gulags, auch wenn es sich bei der letzten Kategorie nur um 3 eingetragene Standorte handelt, von denen man nicht einmal weiß, ob es auch wirklich Gulags sind. Das ist für mich ehrlich gesagt ein eher uninteressanter Aspekt. Aus journalistischer Sicht kann ich das aber verstehen.
Die Informationen wurden ja generell aus den Satellitenbildern oder gedruckten Karten abdigitalisiert, wobei Touristenphotos (?) und Informationen aus dem Netz geholfen haben, einige Objekte näher zu bestimmen.

Um es so zu sagen: Die Datenlage ist äußerst wacklig und mit Vorsicht zu genießen.

Die Innenstand Pjöngjangs auf Google Map. Copyright: Google Maps

Die Innenstand Pjöngjangs auf Google Map. Copyright: Google Maps

Was Lipp leider nicht erwähnt, ist die Tatsache, dass man auf den Open Streetmap Karten genauso weit ist (siehe Screenshot). Abgesehen davon, dass mir die Kartographie von OSM besser gefällt, als bei den Google Maps, sehen die Karten so aus, als ob sie datentechnisch auf dem gleichen Stand sind. Mindestens. Bei Bing Maps und Co. habe ich noch gar nicht geschaut, aber es wäre einmal schön, wenn man sich im journalistischen Bereich nicht nur holzschnittartig auf Google versteifen würde.

Die Innenstand Pjöngjangs auf Google Map. Copyright: Openstreet Map

Die Innenstand Pjöngjangs auf Google Map. Copyright: Openstreet Map

Ab welcher Zeit bei Open Streetmap schon die Kartendaten eingepflegt und publiziert waren, kann ich nicht sagen. Nordkorea ist nun auch eine der Regionen, die mich abgesehen von den zeitweise auftretenden Aufmerksamkeitsbedürfnissen von Little Kim nicht interessieren.

Und das ist wohl die wichtigste Frage an dieser Meldung. Wem nutzt das eigentlich? Den Nordkoreanern? Doch eher nicht. Das Internet ist dort nur einer kleinen Elite zugänglich und wer weiß, ob die nicht die chinesische Google Maps Alternative benutzen. Ausländer dürften, sofern es sich nicht um Chinesen handelt, mit den Karten auch nicht viel anfangen können. Nordkorea ist wahrlich keine Urlaubsregion und bei Investoren oder Geschäftsleuten aus der westlichen hemisphäre sehe ich keine Notwendigkeit, dass diese der Standort eines Gulags oder Atomkraftwerks interessiert.

Es wäre auch interessant zu wissen, ob und in welcher Weise der Besuch von Googles Eric Schmidt mit dieser Meldung auf br.de und der Kartensache überhaupt zu tun hat.

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