Red Bull Stratos – Don’t believe the hype

So, gestern ist der neue österreichische Volksheld Felix Baumgartner aus seiner Ballonkapsel auf die Erde gehüpft. Seitdem diskutiert die Netzgemeinde den Sinn oder Unsinn dieser Aktion wie lange nicht mehr und mir juckt es jetzt auch in den Fingern.

Vorweg: Er bzw. Red Bull können mit ihrem Geld und ihrer Zeit machen was sie wollen. Allerdings müssen sie sich, vor allem wenn sie derart in die Öffentlichkeit gehen, nicht über kritische Stimmen wundern.
Ich honoriere auch die organisatorische und technische Leistung sowie das Lehrstück in Sachen Marketing, was Red Bull da abgeliefert hat. Keine Frage.

Mich nervt bei diesem ganzen Bohei und vor allem bei den Red Bull Fanboys, dieses unreflektierte und naive Einordnen dieses Events. Nachträglich werden da wissenschaftliche und praktische Aspekte rangegeflanscht, anstatt einfach mal das Offensichtliche einzugestehen: Ja, es war eine auf die Werbung und die Weltrekorde angelegte Aktion. Ist doch okay. Muss man sich nicht schämen für. Der Mensch ist ein Herdentier, das Unterhaltung braucht. Heute mehr denn je.
Aber nein, bei jedem der das zur Sprache bringt, wird sofort die Nörgler, Neider und Mißgunst Schublade aufgezogen. „Spring Du doch mal aus 39 Kilometern Höhe …“ Nö, warum sollte ich? Es sei denn, man bezahlt mich sehr sehr gut dafür.
„Jetzt kommt bestimmt gleich wieder das Argument der hungernden Kinder in Afrika“ Ja und, warum auch nicht? Weil Ihr Euch in Eurem Hipster- und Ego-Getue ertappt fühlt, soll man das nicht anführen dürfen?
Ganz hervorragend finde ich auch die Rechtfertigung, dass Red Bull zu danken wäre, da sich dadurch tausende Menschen mit Physik im allgemeinen und dem Weltraum, der Atmosphäre im speziellen usw. beschäftigen würden. Ja, bis zur nächsten Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Nur mal für die neuen Physik- und Astrobegeisterten. Leider kratzt man mit 39 Kilometern den Weltraum gerade so etwas an, aber hey – Ihr habt ja jetzt die Begeisterung und die Zeit, Euch damit tiefgreifender zu beschäftigen.

Und, einer meiner Favouriten: Diese ganzen Daten und Meßergebnisse, die man da gesammelt hat, die sind ja sensationell. Dieser Sprung in den 80ern und die Challenger Katastrophe hätte verhindert werden können (jetzt nicht den Absturz, aber den Verlust der Menschenleben)! Nirgendwo ist eine Gesichtspalme angebrachter als hier. Um Temperaturen in verschiedenen Atmosphärenschichten zu messen und aufzuzeichnen, bedient man sich seit Jahrzehnten unbemannten Wetterballons. Dass es möglich ist, aus solchen Höhen abzuspringen und zu überleben, hat der aktuelle Mentor des Herrn Baumgartner (Kittinger) bereits vor 50 Jahren bewiesen. Ob nun 31 oder 39 Kilometer Höhe – das ist nur ein gradueller Unterschied. Ich bin mir sicher, dass die NASA oder damals die Air Force keinen österreichischen Zuckerplörre-Hersteller dazu benötigen, um Notausstiege aus havarierten Raumkapseln zu testen.

Und wenn Ihr erst ein 50 Millionen Dollar Video benötigt, um die Schönheit und Einzigartigkeit unserer Erde zu erkennen und zu würdigen, dann kann ich Euch auch nicht helfen.

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