Was ich im Zuge von EM und Fußball generell nicht mehr hören möchte

Und dann rechnen wir gleich noch mit dieser grottigen Berichterstattung (Sportjournalismus mag man dazu nicht mehr sagen) ab.

So dann fangen wir mal an:

Vor und nach dem Spiel

  • War nach vorn nicht ganz so (höfliche Umschreibung) effektiv, hat aber nach hinten unglaublich viel gearbeitet.
  • Wie wichtig ist dieser Sieg jetzt?
  • Wie bitter ist diese Niederlage jetzt?
  • Wie fühlen Sie sich jetzt?
  • Was bedeuten Ihnen Ihre 4 Tore in diesem Spiel?
  • Wichtig ist nur, dass wir als Mannschaft gemeinsam gewonnen haben (nachdem man allein die 4 Siegtore geschossen hat).
  • Wir sehen jetzt von Spiel zu Spiel.
  • Der Titel führt nur über uns.
  • Es hat halt nicht sollen sein (wenn der Titel dann doch nicht über uns geführt hat).

Das gruseligste bei diesem Turnier war aber die Rundumbeschallung durch berufene und unberufene Experten.

Gut, ohne Reporter und Kommentatoren geht es nicht, aber was man uns mit Bela Rethy teilweise zumutet, geht auf keine Kuhhaut mehr. Diese Anekdötchen in der Regen-Zwangspause beim Spiel Ukraine – Frankreich …. oh mein Gott.

Außenreporter sind schon die ärmsten Säue. Matthias Opdenhövel hat die ehrenvolle Aufgabe, im Mannschaftsquartier in der Ukraine zu zählen, bei wievielen Zimmern noch Licht brennt. Da kann ich schon verstehen, dass die Eintreibung der GEZ Gebühren systemimmanent ist. So ein Außenreporter zählt schließlich auch nicht für umsonst. Dazu kommt die Nachtzulage.

Aber muss ich denn nach einem mehr oder weniger geglückten Spiel sowohl den Lanz als auch Duzmaschine Hartmann ertragen? Gerade bei Waldi Hartmanns Stammtisch im Bayrischen Bahnhof in Leipzig durften so viele Fußball-Nichtexperten etwas zum Thema „beitragen“ – schrecklich.
Man konnte leider nicht nach Usedom schalten, weil Olli Kahn gerade beim Pizzaessen war.

Bei Markus Lanz saßen mit Giovanni Zarella und Harry Wijnford wenigstens zwei Lichtblicke. Leider ging das, was sie mal abseits von der Konsensmeinung beizutragen wussten im Gejohle des Studios unter.
Aber auch Positiverscheinungen wie Illgner oder Briegel wurden durch Lautsprecher wie Töpperwien und Faßbender (Gibt es da einen Fundus?) niedergequatscht.

Beim ZDF wähnte man sich ganz schlau. Die Fußballbühne an der Seebrücke in Heringsdorf. Da haben wahrscheinlich bei allen Beteiligten die Augen geleuchtet: ein Betriebsausflug an die Ostsee und tarnen tun wir das als Arbeit.
Genauso wirkte das dann auch. Ich meine, Verrisse hat es ja schon viele gegeben – braucht man nur zu googlen – aber was soll man sagen: ja, alles zutreffend! Wenn die wenigstens von Beginn an mit offenen Karten gespielt hätten. „Auf Stadion hatten wir keinen Bock, Ukraine ist so weit und am Fernsehgarten ist auch nicht alles schlecht“. Wäre ehrlich gewesen, hätten wir auch so verstanden und abgenickt. Aber dann diese konstruierten Argumente hinterherschieben, nee nee nee. Nur weil man ein bischen Gegenwind abbekommen hat?! Bis auf das ZDF sieht wohl niemand in Schland Usedom als deutsch-polnische Insel an. Was für ein Brückenschlag soll damit ausgedrückt werden? Was trägt das denn zur Völkerverständigung bei?

Genau der gleiche Unsinn wie beim Halbfinale. Die Polen haben eben nicht die deutsche Mannschaft angefeuert. Da muss man schon an erfolgreicher Realitätsverdrängung leiden, wenn man das mit sicherer Stimme berichtet. Die Polen haben allerhöchstens Podolski und Klose begrüßt, in denen sie so etwas wie die verlorenen Söhne des polnischen Fußballs sehen.

Aber, dazu muss man sagen, gerade dem Titan wurde es auch nicht leichtgemacht. Ich hatte manchmal Mitleid mit ihm. Dass er bei KMH nicht mehr landen kann (so sehr er sich auch fachlich und sozial bemüht), hat er inzwischen wohl eingesehen. Nun verwirrt man ihn (und uns) auch noch mit der Medien-Redakteurin Jeannette Michaelsen, die uns so wichtige Dinge berichtet, wie ……………………………………
Ach, keine Ahnung! Ich gebe es ja zu, ich weiß nicht, was die da zu suchen hatte. Wenn ich wissen will, was auf Twitter über Ronaldo geschrieben wird, schaue ich bei Twitter nach.

Aber wenn man ehrlich ist, muss man dem Kahn-Titan eine zum Endspurt hin ansteigende Formkurve bescheinigen. Er hat wie früher eigentlich (wo er noch nicht für Wiesenhofs Folterwürste geworben hat) die Augen zusammengekniffen, sich den Mund abgeputzt und sich an einer Spielanalyse versucht. Dabei, das hat sogar meine Frau anerkannt, verwendete er hin und wieder Fremdworte, die er sogar im richtigen Kontext benutzte.

Ein anderer „Experte“ baute aber zusehends ab. Mehmet Scholl. Was fand ich den erfrischend, nachdem wir des Netzer in der Tiefe des Raumes verlustig gingen. Der wusste, wovon er sprach und traf den Nagel auf den Kopf.
Sein Pech war, dass er die Wundgelegen-Affäre zum falschen Zeitpunkt losgetreten hat. Nämlich viel zu früh.
Das Problem an sich hat er wieder einmal glasklar erkannt und benannt. Leider hat dann der gescholtene Gomez noch das Siegtor geschossen und war somit über alle Kritik erhaben. Wie wir ja wissen, hat derjenige mit Erfolg und Recht. Seit dem daraufhin einsetzenden Medienecho und Tötet-den-Boten Aufrufen hat sich Scholli irgendwie nicht mehr getraut, auch nur irgendetwas Kritisches über diese Mannschaft zu sagen. Das führte sogar soweit, dass er nach dem Halbfinal-Ausscheiden ein Spiel nachbesprach und analysierte, wo ich mich frage: Haben wir dasselbe Spiel gesehen?

Schade, ein Mehmet Scholl ohne seine sprachlichen Spitzen ist auch nur noch ein Günter Netzer mit etwas schnellerer Aussprache und besserer Frisur.

Das wirkliche Ärgernis ist aber die UEFA. Genauer gesagt, die Abteilung die für die Übertragung also die Fütterung der nationalen Sendeanstalten mit dem Spielgeschehen zuständig ist. Ich fand Jogi Löws Herumschäkern mit dem Balljungen jetzt auch nicht unglaublich lustig, sondern einfach nur verkrampft und aufgesetzt – aber die UEFA hat genau den richtigen Zeitpunkt abgewartet, diese Szene als „live“ einzublenden. Ungefähr: was noch gerade am Spielfeldrand passierte. Anstatt bei so einem Beschiss aber mal auf die Pauke zu hauen, haben es ARD und ZDF bei einer harmlosen Protestnote belassen. Denn beim nächsten Turnier, der WM 2014 in Brasilien, wird diese Praxis weder geändert noch nachjustiert. Wir schlucken alles, was uns die UEFA/FIFA vorsetzt. Sie bestimmen, was vom Spiel gezeigt wird. Sie bestimmen, wie der Fan auszusehen hat, indem sie nur Anjas & Tanjas einblenden. Proteste für Julia Timoschenko? Gab es in und um die Stadien nicht. Nicht bei der UEFA. Leere Ränge auch nicht.

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