Bundestrojaner – Hersteller Digitask wehrt sich gegen Vorwürfe

Na sowas aber auch. Die Herstellerfirma der als Bundes- oder Staastrojaner bekanntgewordenen Schnüffelsoftware wehrt sich gegen die Vorwürfe und Unterstellungen seitens des Chaos Computer Clubs und einiger Sicherheitsexperten.

„Man habe nur das programmiert, was in Auftrag gegeben worden sei“

Ja, tun wir das denn nicht alle?
Wer weniger liefert, als der Auftrag umfaßt, darf sich auf Forderungen zur Nacharbeiten freuen und wer mehr liefert als er müsste … nun ja, der darf das für sich als besonders intensive Kundenpflege verbuchen.

Auch die Kritik an der Qualität der Programmierung wollte Seibert nicht gelten lassen: „Zu der damaligen Zeit war die Software auf dem Stand der Technik“, sagte Seibert.

Welche Firma würde denn hier auch zugeben, daß sie schlecht gearbeitet und ihre Bezahlung zu Unrecht oder als zu überhöht eingestrichen habe?

Mit etwas Glück für Digitask kann man das als Streit unter Experten deklarieren und auf ein „das ist nur ihre Meinung“ reduzieren:

„Dilettantisch programmiert“ war die einhellige Meinung vieler Experten, die einen ersten Blick auf den Binärcode des umstrittenen Staatstrojaners werfen konnten.

Quelle: Heise Security vom 11.10.2011)

Mich interessieren die Fragen zur Qualität bzw. Nicht-Qualität dieser Software gar nicht. Ich könnte das auch nicht beurteilen, wenn ich Einblick in den Code erhielte. Ich muß mich da auf das verlassen, was sogenannte „Experten“ dazu sagen und zwischen den Zeilen lesen. Und das bedeutet, genau hinschauen! Denn schon jetzt werden die losen Fäden durch die Verantwortlichen gekappt. Da wird darüber gestritten, beim wem die Verantwortung liegt – Hersteller oder Auftraggeber. Oder ob die Qualität für den damaligen Stand der Technik ausreichend war.

Das ist doch völlig unerheblich und höchstens für den Bundesrechnungshof oder Bund der Steuerzahler interessant!

Ich will wissen, wozu die abgehörten Daten in die USA transferiert werden müssen. Ich möchte auch wissen, warum es einen CCC braucht, um festzustellen, daß diese Trojaner Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes eindeutig verletzen. Weshalb fiel das niemanden in den Behörden auf, die diese Software im Einsatz haben. Und das sind ja mittlerweile nicht wenige. Fast stündlich geben Bundesländer und ihre Organe bekannt, das Produkt aus dem Hause Digitask zu benutzen. Massenhaftes Outing und auch noch stolz darauf. Einhelliger Tenor: ja, benutzen wir. Na und?

Update: Als Konsequenz steht im Raum, dass der Bund seine Spionage- und Schnüffelsoftware nicht mehr programmieren läßt, sondern selbst Hand anlegen will. Dann wissen die Behörden wenigstens, was die Software alles Verbotenes kann und müssen nicht erst vom CCC drauf gestoßen werden.

Über die bekanntgewordenen Programmieraufträge in Millionenhöhe, die Digi Task ohne vorherige Ausschreibung erhalten haben soll, will ich mich mal gar nicht äußern.

Quelle: Innemninister beraten über Staatstrojaner | ARD Tagesschau vom 20.10.2011

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