Danke für alles Loriot

Es ging ja schon durch alle Medien: der große Loriot (mit bürgerlichem Namen Vicco von Bülow) ist am 22. August an Altersschwäche in seinem Wohnhaus gestorben.

Loriot war einer der wenigen Künstler (im ARD Nachruf bemühte man sogar das antike Wort „Humorist“) Deutschlands, die das Wesen und die Befindlichkeiten der Deutschen ergründet und weitestgehend verstanden haben. Zwar war sein Thema meistens die gestörte, zwischenmenschliche Kommunikation (und auch dort konzentrierte er sich auf das Mißverständnis Mann-Frau), aber gerade dort brachte er die deutschen Macken gekonnt und subtil unter.

Bewundernswert an ihm war, dass er konsequenterweise seinen Abschied von der Bühne der bildenden Künstler (er schrieb und spielte ja nicht nur Sketche für das Fernsehen oder drehte Kinofilme – sein Schaffen erstreckt sich von der Malerei, über die Musik bis hin zur Theaterregie) nahm, als er merkte, dass die Zeit dafür gekommen war. Einfach zu sagen, Schluß-Aus-Ende … es geht nicht mehr – von welchem Künstler hat man das schon so gehört. Jedenfalls von nicht vielen.

Ich werde mich nicht in die Riege derer einreihen, die jetzt wieder einmal in reinen Kulturpessimismus verfallen und den Untergang des Abendlandes ausrufen, weil ein großer Künstler der alten Schule abgetreten ist. Auch die vielzitierten Beispiele des „Unterschichtenfernsehens“, Mario Barth oder Cindy aus Marzahn haben ihre Berechtigung im Comedy-Kosmos. Man kann ihre Art von Humor mögen oder nicht, aber sollte anerkennen, dass sie erfolgreich sind. So wie Loriot mit seinem eher zurückhaltenden, beobachtenden Humor erfolgreich war.

Was wird bleiben (abgesehen von Herz-Schmerz-triefenden Gedenksendungen und Nachrufen) ?
Viele geflügelte Worte wie:

  • „ein Klavier, ein Klavier“
  • „Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein“
  • „Früher war mehr Lametta“
  • „Die Ente bleibt draußen!“
  • „Ja wo laufen Sie denn?“
  • „Ach ist der Rasen heute wieder schön grün!“
  • „Meine Mutter!“
  • „Sagen Sie jetzt nichts, Hildegard“
  • „Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann.“
  • „Brigitte kommst du mal?!“ (schon allein deshalb, weil er mich hier persönlich, sozusagen, referenziert …)
  • „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos!“

Dazu Begriffe oder künstliche Erfindungen, die inzwischen zum sprachlichen Allgemeingut gehören, wie:

  • die Steinlaus
  • der Kosakenzipfel
  • Birne Helene
  • das Jodeldiplom
  • die pneumatische Plastologie
  • sprechende Hunde

Knollnasenmännchen, Wum und Wendelin und natürlich die ganzen anderen liebenswert verschrobenen Charaktere, die in diesen köstlichen Sketchen über die Mattscheibe flimmerten.

Bevor der ganze dumme Unsinn wie „jetzt sitzen Loriot und Evely Hamann gemeinsam auf Unterhaltungswolke 7 im Himmel“ Einzug hält, sei noch daran erinnert, dass zumindest Heinz Meier (der kongeniale Vater Hoppenstedt Darsteller) aus dem Trio noch am Leben ist.

Zum Abschluss noch einer meiner Lieblingssketche von Loriot. Der beinhaltet zwar keine Aussage, ist aber in seinem perfekt getimten Slapstick einfach nur herrlich albern.

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