Jeff Jarvis 36 Thesen über die Zukunft der Medien

Google-Fanboy und Dampfplauderer Jeff Jarvis hat 36 Aussagen zur Zukunft der Medien getroffen, die in deutscher Übersetzung auf dem Medienmagazin „Was mit Medien“ nachzulesen sind. Das Original ist auf Jeff Jarvis Blog zu finden.

Ich kann dem Medienprofessor ja eigentlich nicht viel abgewinnen. Ich habe immer den Eindruck, der Mann redet viel und sagt wenig. Was daran liegen könnte, dass er von der Materie, in der er sich „forschend“ bewegt, keine große Ahnung hat. Ein Teil seiner Aussagen zum Zustand und zur (möglichen) Entwicklung der Medienbranche (Jarvis Lieblingsthema ist hierbei immer Printmedien vs. Digitale Medien, nicht DIE Medien an sich) ist es durchaus wert, diskutiert zu werden.

Allerdings kann ich seinen Skeptizismus, mit dem er das Ende der Printmedien voraussagt, nicht teilen. Wie oft wurde schon das Medium „Buch“ totgesagt und jedes Mal kam es umso beeindruckender zurück. Man denke nur an den Harry Potter Hype, die neue Krimiwelle (Mankells Wallander, Stieg Larrsons Millennium) oder was derzeit gerade on vogue ist. Das Zeitungsgeschäft wird sich wandeln müssen, wenn es überleben will. Ich bin mir aber sicher, dass den meisten Verlagen diese Transformation gelingen wird.
Auch auf das papierlose Büro warte ich nun schon seit Jahren (wenn nicht Jahrzehnte).
Seine Thesen zu den zukünftigen Geschäftsmodellen in der Nachrichtenwelt mögen zwar immer einen wahren Kern haben, auch wenn das einige traditionelle Medienmacher nicht hören wollen – aber mir ist das immer eine Spur zu fatalistisch vorgetragen. Er ist überzeugt davon, dass dies oder jenes definitiv eintreten wird und empfiehlt den Medien, ohne Umschweife die Konsequenzen vorweg zu nehmen. Hätte ich alle meine Email-Konten aufgelöst, als Google Wave alles revolutionieren und überflüssig machen wollte, stände ich heute schön dumm da (Google lässt den Support für seinen Wave-Dienst auslaufen).

Ein wenig mehr Mut zum Experiment, Herr Jarvis, hat noch niemandem geschadet.

Viele Erkenntnisse, die der Medienprofessor verlautbart sind eigentlich alter Wein in neuen Schläuchen. Natürlich haben Zeitungsverlage und Nachrichtenagenturen früher nicht von Luft und Liebe gelebt. Nachrichten zu produzieren war niemals Selbstzweck, sondern diente auch einzig und allein nur dem Geschäft. Nur ist es heutzutage nicht mehr so einfach, Geld mit Informationen zu verdienen. Der Kuchen ist zwar größer geworden; die Anzahl derer, welche ein Stück abhaben wollen, ist aber exponentiell gestiegen. Alte Selbstverständlichkeiten sind nun nicht mehr gültig. Wahrscheinlich meint er dies, wenn er sagt, „Tradition ist kein Geschäftsmodell“ (These 1) oder Jochen Wegner in seiner 7. These „Die freie Presse ist nicht gottgegeben„.

Warum jetzt aber gleich Journalisten zu „Geschäftsleuten“ werden müssen und sich Verlage neben ihrem eigentlichen Geschäft, in den Immobilienmarkt einsteigen sollen, erschliesst sich wahrscheinlich wieder nur Jeff Jarvis und seinen Jüngern.
Ich persönlich möchte von Journalisten mit Informationen, gut recherchiert, aufbereitet und gedeutet, versorgt werden. Dabei ist es mir wurscht, ob ich das dann in einer Zeitung lese, in der Tagesschau sehe oder in einem Blog vermittelt bekomme. Dieses Ausspielen von Print gegen Online geht doch völlig am Thema vorbei. Guter Journalismus lässt sich nicht auf seine Darreichungsform reduzieren. Die Aufgabe besteht darin, Mittel und Wege zu finden, Qualität zu produzieren und zwar so, dass sie über ein tragfähiges Geschäftsmodell den Weg in die sogenannte Informationsgesellschaft findet. Und da ist es meiner bescheidenen Meinung nach der falsche Weg, wenn man sich Gedanken macht, wie man Sachverhalte in 160 Zeichen quetscht, weil es ja über Twitter laufen muss.

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